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Vorlesen
Lesen Sie Ihrem Kind vor, Sie werden mit Zins und Zinseszins davon profitieren...

Wir haben nicht wenige Eltern erlebt, die auf unsere Ratschläge recht erstaunt reagierten. Über das Vorlesen zum Beispiel meinten sie: „Damit kann ich mein Kind auf die Schule vorbereiten? Was soll es ihm nützen, wenn ich ihm Märchen vorlese? Märchen sind grausam und ich möchte nicht, daß es sich darüber ängstigt.“ Hier kann man nur empfehlen, daß diese Eltern das hervorragende Buch „Kinder brauchen Märchen“ von Bruno Bettelheim lesen. Da es kaum möglich ist, die Bedenken gegen Märchen besser zu zerstreuen, als er es getan hat, wollen wir uns darauf beschränken, daß die Kenntnis der Märchen mit das Beste ist, was unseren Kindern im Vorschulalter geboten werden kann.

Man kann natürlich alle möglichen Erzählungen auf Tonträger kaufen, damit nicht jedes Mal die Eltern gezwungen sind, tätig zu werden, wenn der Nachwuchs Märchen hören will. Und manche Märchen gibt es auch schon interaktiv auf CD-ROM oder DVD, dann sind schon mehrere Sinne beschäftigt...

Aber genau das entspricht nicht dem gewünschten Zweck. Betrachten wir den Vorgang von der rationalen Seite. Wir sprachen oben von „Märchen” vorlesen. Vorlesen bedeutet zunächst, dem Kind einen gewissen Text nahezubringen, den wir ganz bewußt für eine bestimmte Gelegenheit ausgesucht haben, z.B. um belehrend zu wirken (Hänsel und Gretel bietet sich da förmlich an: Sich nicht von Fremden verlocken lassen, wie es die Hexe mit ihrem Knusperhäuschen gemacht hat!). Märchen - gerade die der Gebrüder Grimm - vermitteln Botschaften, die von den Kindern verstanden werden und mit denen sie etwas anfangen können. Das „Vorlesen“ betonen wir deshalb, weil die Sprache der Märchen eine andere ist als die unseres Alltags.

Nichts ist fataler, als Märchen, Geschichten, Ereignisse oder was auch immer, dem Kind „in seinen Worten“ nahezubringen! Kinder sind nicht von Haus aus doof, sie werden nur allzu oft von ihren Eltern dazu gemacht. Wenn ich meine, mein Kind verstünde den Satz: „Und sie schritten durch das Tor“ nicht, dann kann ich ja fragen und ihm bei Bedarf das Wort schreiten erklären. Beim nächsten Mal – wir lesen Märchen natürlich öfter vor – kennt es dann diese Bedeutung und wenn wir umgangssprachlich auch nicht nur immer „gehen” sondern eben auch „schreiten“, „wandern“, „laufen“, „hasten“, usw., usf., dann haben wir schon den ersten Grundstein dafür gelegt, daß der spätere Schüler in seinen Deutschaufsätzen nicht immer für „geht“ ein „W“ für Wiederholung am Blattrand findet.

So modern es heute auch wieder zu werden scheint, Dialekt zu sprechen, dürfen die Nachteile für die Kinder nicht übersehen werden, wenn sie nicht gewissermaßen “zweisprachig”, also mit einem gewissen Minimum an Kenntnissen in Hochdeutsch aufwachsen.

Wenden wir uns der emotionalen Seite zu: Gibt es für das Kind und - seien wir ruhig ehrlich - auch für Vater oder Mutter, Oma oder Opa etwas Schöneres, als sich zusammen in irgend ein gemütliches Eck zu kuscheln und sich mit dem tapferen Schneiderlein zu freuen oder mit den sieben Geißlein zu zittern? Das ist doch fast wie Weihnach- ten: Erst die Freude der Kinder läßt diesen Tag zum wahren Fest werden.

Am Wichtigsten ist wohl das Gefühl der Geborgenheit, dem ich mich hingeben kann, wenn es richtig gruselig wird, ich liege ja in Mamis oder Papis Arm! Ich kann die Geschichte jederzeit unterbrechen, ich kann (und darf!) Fragen stellen, wenn ich etwas nicht verstehe, und wenn ich mit der Prinzessin weinen muß, werde ich getröstet. Ist es für uns Erwachsene wirklich so schwer, uns daran zu erinnern? Oder haben wir so etwas nicht selbst erleben? Wer sich, aus der letzteren Gruppe, mangels eigener Erfahrung nicht vorstellen kann, welche Bedeutung dieser emotionale Rückhalt hat, den ein Kind bei solcher Gelegenheit in seiner Bezugsperson findet, der möge einmal ein Kind in dieser Situation beobachten und mit einem anderen Kind vergleichen, das - emotional ähnlich beansprucht - einen TV-Film anschaut, oder ein Hörspiel hört.

Man möge uns hier nicht falsch verstehen, wir wollen die Möglichkeiten, die die moderne Informationsgesellschaft bietet, keinesfalls verteufeln, sonst würden wir uns ja auch nicht hier, im Internet, artikulieren. Aber wenn wir eine Hitliste aufstellen wollten, würden wir natürlich sagen, es sei immer besser, dem Kind eine Märchenkassette auf Tonträger anzubieten, als ihm Märchen ganz vorzuenthalten, aber wesentlich besser als eine unpersönliche Kassette ist allemal Omas oder Mamas individuelle Märchenstunde.

Fassen wir zusammen: Wenn wir unserem Kind regelmäßig vorlesen, schaffen wir eine sprachliche Grundlage, die mit nichts auf der Welt aufzuwiegen ist! Bei einem großen Teil unserer Schüler, die Schwierigkeiten im Fach Deutsch hatten, ist in der Kindheit und Jugend nicht oder nicht ausreichend vorgelesen worden!

Nachdem wir mit unserem Ansatz zur Minimierung zukünftiger, möglicher Schulprobleme nicht aus der Theorie, sondern der Praxis kommen, ist uns natürlich bewußt, daß in der heutigen Zwei-Generationen-Familie nahezu immer auch die Mutter berufstätig ist und somit nicht ohne weiteres für “begleitende Maßnahmen” der Kindererziehung zur Verfügung steht. Aber gerade deshalb sehen wir es als dringend notwendig an, auf gewisse Zwangsläufigkeiten hinzuweisen.

Suchen Sie für Ihren speziellen Fall nach Lösungsmöglichkeiten!

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