label-DVD-3

Kasperles Abenteuer DVD 1

60 Min. Spannung und Spaß für die Kleinen zwischen 3 und 7!

7,59 € (keine Versandkosten)

Kinder brauchen Märchen

Kinder brauchen Märchen! Brauchen Kinder Märchen?

Diese Frage beantwortet uns in seiner liebenswerten, eingängigen Weise unser geschätzter Gastautor, Horst Schwarz:

 

Immer wieder stehen Eltern und Pädagogen vor der Frage:


Brauchen  Kinder  heute  noch  Märchen?


In Zeiten von Onlinespielen, die schon für Vierjährige angeboten werden,  fragen sich manche Eltern, ob ihre Kinder  Märchen, diese über 200 Jahre alten Geschichten, überhaupt noch brauchen.

Erzählungen


Horst Schwarz*, Märchenerzähler, Fortbildungsreferent, Autor und Stimme vieler Märchen-CDs  hat über diese uralten Geschichten vieles zu erzählen:
Märchen gehören zum unvergänglichen Kulturgut aller Völker. Seit Jahrhunderten  kennen und lieben es Kinder und Erwachsene in gleicher Weise, denn aus ihm spricht zeitlose Weisheit.


Bei näherer Betrachtung  liegen die Größe und Bedeutung des Märchens darin, dass es unerschöpflich Tiefes, Wirkliches und Wichtiges über den Menschen zu sagen weiß. Außerdem stellt es in immer noch gültiger und brauchbarer Weise seelische und zwischenmenschliche Grundkonflikte dar und bietet Anleitungen zur Überwindung an. Ein immer wiederkehrendes Motiv in den Märchen ist die Suche nach Glück, Liebe und Geborgenheit.


Und so erzählte man sich von Generation zu Generation, wie Rotkäppchen in den Wald ging, Dornröschen im Schloss unter der Dornenhecke schlief und Hänsel und Gretel die böse Hexe verbrannten.


Doch dann erlebten die Märchen Ende der sechziger Jahre, im Zuge der antiautoritären Erziehung, einen Einbruch.   "Sie sind zu lebensfern und irreal!" sagten die einen.  "Sie sind zu grausam!" argumentierten die anderen. So verstaubten  viele Märchenbücher in den Regalen der Kinderzimmer.
Doch   nach Jahren der Unsicherheit und kritischen Einwände waren die Volksmärchen  ab der achtziger Jahre als Kulturgut wieder gefragt.

Märchenerzählungen  in Kindergärten und Grundschulen brachten Erzählern eine nie erahnte Anerkennung. Und in Märchenerzählabenden und Seminaren für Erwachsene überboten sich Büchereien und  Bildungseinrichtungen.

MaerchenZumMitmachenKita
Und so erfuhren die Kinder und  Erwachsene  in diesen fantastischen Erzählungen erneut, dass das Gute über das Böse siegt, das Schöne über dem Hässlichen thront und der Starke den Schwachen beschützt. Es  hing sicherlich auch mit der Erkenntnis zusammen, dass das Märchen zu allen Zeiten Groß und Klein etwas Wesentliches mitzuteilen hat. Märchen wurden als wahre Geschichten verstanden, die zwar so, wie sie erzählt werden, nie passiert sind und dennoch einen wahren Kern beinhalten. Hänsel und Gretel ist so, wie es die Grimms erzählen zwar nie geschehen, aber es ist heute immer noch wahr, dass es Eltern gibt, die aus welchen Gründen auch immer, ihre Kinder "los werden" möchten.


Außerdem verschweigen Märchen nicht, dass die Welt voller Gefahren und Schwierigkeiten ist, die immer wieder neu erlebt, bekämpft und überwunden werden müssen.


Ein häufiges  Motiv in den Volksmärchen ist der Verlust der Eltern oder eines geliebten Freundes. Dabei wird die Trennungsangst, die alle Menschen beschäftigt, bewusst gemacht. Auch wird oft von der Hilflosigkeit und Minderwertigkeit erzählt, unter der viele immer wieder zu leiden haben. Und hinter all diesen zwischenmenschlichen Grundkonflikten bietet das Märchen, eingebettet  in eine Bildersprache, Lösungsmöglichkeiten an.


Volksmärchen sind symbolische Geschichten. Sie teilen in Bildern uralte Wahrheiten und menschliche Erfahrungen mit. Deshalb sind sie weder gebunden an historische Begebenheiten, noch an eine geografische Lage, wie etwa die Sage, sondern es ist zeitlos, raumlos und allgemeingültig.


Im Märchen begegnet der Mensch sich selbst, dem anderen und der Welt, er erfährt Ordnung und Sinn seines Daseins.


Und weil Kinder heute sehr früh mit den wachsenden  gesellschaftlichen Gegebenheiten des realen Lebens über Kopf und Verstand angesprochen werden, umso dringender  wird die Ansprache im gefühlsmäßigen Bereich. Das Kind ist ja mit ganz anderen Dingen beschäftigt als der rational denkende  und handelnde Erwachsene. Kinder entdecken und erschaffen sich ihre Welt selbst. Dabei sind sie meist origineller und ursprünglicher als Erwachsene, die oft nur noch ihren Gewohnheiten, Pflichten und Abhängigkeiten gehören.


Die Welt des Kindes ist groß und reich. Hier gibt es Liebe und Hass, Begehren, Neid und Eifersucht. Da spielen sich oft gefährliche Kämpfe ab. Es herrscht Angst, und es findet sich der Glaube an Wunder und Verzauberung durch Schönes und Unfassbares. So wie die Welt des Kindes, so ist auch die Welt des Märchens. Sie können auch deshalb eine gute Hilfe zur Erziehung sein, weil sie nie aufhören dem Kind zu sagen, dass etwas Wunderbares, etwas "Königliches" in ihm steckt. Außerdem erzählen sie immer wieder, dass es Liebe und Glück wirklich gibt, und  dass es für den Menschen wichtig ist, sich allen Geschöpfen gegenüber aufmerksam, helfend und teilend zu verhalten.


Gerade den unansehnlichen und unscheinbaren Lebewesen gegenüber, wie etwa dem buckligen, alten Männlein,  dem  Frosch oder der Unke, sollen wir diese Haltung einnehmen.


Oft findet sich das Kind auch in der Hauptperson des Märchens wieder und durchlebt mit ihr alle Höhen und Tiefen. Am Ende empfindet es dann den Sieg über das Böse so, als ob es selbst davon betroffen wäre.


Volksmärchen können, in ihrer einfachen und verständlichen Sprache, dem Kind Anregungen zum eigenen Weltverständnis vermitteln.


Immer wieder stößt man allerdings bei Erwachsenen auf die Befürchtung, dass durch Märchen im Kind Ängste geweckt werden können. Die Sorge ist im Allgemeinen nicht berechtigt. Kinder ab dem 3./4. Lebensjahr haben oft Ängste. Diese Ängste resultieren in der Regel aus dem wirklichen Leben, in das die Kinder eingebettet sind, z.B. die Angst vor Trennung von den Bezugspersonen, vor Strafe, Liebesentzug, Unbekanntem oder Dunkelheit.


Hierzu darf  ich sagen: Märchen erzeugen, wenn sie ohne drohenden Zeigefinger vorgelesen werden, beim kindlichen Zuhörer keine Angst!  Märchen sind kein Disziplinierungsbuch wie der >Struwwelpeter<. Märchen können helfen  Ängste deutlich zu machen um sie zu "begreifen".


Im Gegensatz zu Onlinespielen, wo z.B. die handelnden Figuren sichtbar sind, geben mündlich vermittelte Märchen dem Kind die Möglichkeit, sich eigene Bilder zu gestalten. Wenn die Erzieherin im Kindergarten die Kinder bittet, das Schloss von Dornröschen zu malen, so werden ganz viele unterschiedliche Schlösser entstehen, während etwa das Bilderbuch oder der Film diese Bilder vorgeben.
Der Erzählstil des Märchens ist einfach und für das Kind verständlich. Deshalb sollte auch der Grimmsche Text durch Auslassungen und Veränderungen nicht bearbeitet werden. Das Märchen ist ein poetisches Gefüge, und sollte als solches erhalten bleiben. Sogenannte grausame Szenen zu reinigen wäre schade, denn dadurch verlieren die Erzählungen ihre Lebendigkeit. Märchen leben in hohem Maße von dem immer wieder währenden Kampf zwischen Gut und Böse und handeln nach dem Gesetz der ausgleichenden Gerechtigkeit: der Schwache,  Gedemütigte oder Vereinsamte wird, wenn er dem Guten treu bleibt, am Ende belohnt. Der Starke, Ungerechte oder Selbstherrliche wird am Ende zerstört.


Meist nennt das Märchen  keine körperlichen und seelischen Qualen, sondern stellt z.B. in der Rotkäppchen-Erzählung lapidar fest: "(Der Wolf) ging, ohne ein Wort zu sprechen, gerade zum Bett der Großmutter und verschluckte sie."  Er frisst sie nicht, es fließt kein Blut und auch Schmerzensschreie sind nicht zu hören, nein: er verschluckt sie und gibt ihnen damit die Möglichkeit, unbeschadet wieder das Tageslicht zu erblicken.


Im Originalton der Brüder Grimm erzählt, erzeugt es weder Ängste noch regt es zu aggressivem Verhalten an. Deshalb können solche Stellen bedenkenlos vorgelesen werden. Wichtig für den Erwachsenen ist allerdings, dass er selber hinter dem Märchen steht, das er dem Kind vorliest. Wenn  jemand  Bedenken hat, sollte er das Märchen nicht vermitteln. Das sensible Kind spürt nämlich die Ablehnung  in Ton und Haltung des Erwachsenen und wird verunsichert.
Ab welchem Alter sind Märchen geeignet? Wenn Kinder ab dem 3./4. Lebensjahr ins Geschichtenalter kommen,  sind sie empfänglich für vielerlei Erzählungen. Doch wie ich schon anmerkte, der Erwachsene sollte behutsam auswählen, denn von den 200 Grimmschen Volksmärchen sind nicht alle geeignet. Volksmärchen waren ursprünglich Erzählungen für Erwachsene.

 
Das Auswahlkriterium liegt also im Ermessen des Vorlesers. Sie oder er kennt das Kind am besten. Das Märchenbuch der Brüder Grimm sollte im Originalton aus dem Jahre 1850 sein. Leider gibt es mittlerweile viele bearbeitete Texte, die nicht diese poetische Strahlkraft der alten Erzählungen widerspiegeln. Wichtig für kleine Kinder wäre, dass Märchen am Ende immer gut ausgehen sollten. Also nach der Spannung  ein glückliches Ende.


Die Märchenerzählung braucht eine Atmosphäre  -  auch zu Hause. Zwischen Zähneputzen und Zubettgehen schnell noch eine Geschichte vorlesen, wäre wenig harmonisch. Das Kind muss spüren, dass es etwas Besonderes ist, wenn der Erwachsene zum Buch greift. Die Frage des Kindes: "Liest du mir noch ein Märchen vor?" bedeutet im Klartext: "Hast du Zeit für mich?" Nehmen Sie sich diese Zeit für ihr Kind. Märchen sind Schoß- und Kuschelgeschichten. Auch wenn es oft an Zeit in den Abendstunden mangelt,  darf ich aus eigener Erfahrung sagen, Sie opfern nichts, Sie gewinnen nur. Gemeinsam mit dem Kind den Tag ausklingen lassen, sollte ein Genuss für beide Seiten bringen. Die Zeit, wo Ihr Kind Sie um das Vorlesen bittet, geht rasend schnell vorbei und wird bald ernsteren  erzieherischen Problemen Platz machen, wo Sie sich danach sehen, als das Kind fragte: Hast du Zeit für mich?


Schenken Sie dem Kind diese poetisch gestalteten Menschheitserfahrungen. Nicht nur - oder vielleicht besonders - in der Herbst- und Winterzeit.
Lassen auch Sie sich verführen, wenn es heißt: 

"Es war einmal wie keinmal, doch wenn es nicht gewesen wäre, so könnte man es nicht erzählen. Da alles so war oder auch nicht nimmt die Geschichte jetzt ihren Lauf …"


In dem 2012 erschienenen Buch Märchen zum Mitmachen für Kita-Kinder  habe ich 15 Märchen aus unterschiedlichen Kulturkreisen aufgeschrieben. Auf der beigefügten CD erzähle und singe ich diese Märchen. Der Vorteil einer CD liegt darin, dass das Kind für sich jederzeit bestimmen kann, wann es die Geschichte hören möchte. Eine CD wird aber nie den Schoß und die Nähe des Erwachsenen ersetzen können. Sie ist jedoch eine Alternative.

(Zu beziehen über den Verlag an der Ruhr, ISBN 978-3-8364-2222-8, 19,99 €, bzw. jede gute Buchhandlung!)

 

CD_Cover


Dass Märchen auch für Erwachsene interessant sein können, möchte ich durch  die CD Märchen aus aller Welt für Erwachsene zeigen.


Eine Hörprobe erwartet Sie unter diesem Link!


* wikipedia